Leos Bastelstübchen

Der alte Mann

8. Mai 2016

Als den Tag die Kraft verließ,
Die Sonne ins Gebirge stieß,
Zeigte ein erster Stern sich klar,
ein Zweiter, ein Dritter, und es war
Vom Monde
— keine Spur zu sehn.

Auf Kalkstein ruhte die Burg,
Ein Riß zerteilte den Berg,
An dessen Fuße wucherten Wälder,
Verschlangen das Land, wo einst waren Felder,
Die Brücke zum Tore betrat
— ein Greis.

Am Steinwall die Fenster verschlossen Mauern,
Ein Flügel des Tores lag in Trümmern,
Unter der Brücke klaffte die Schlucht,
Des Alten Schritte hallten im Schacht.
Durch das Tor rief er
… “Elisa!”

Endlich durchschritt er das Portal.
Den Burghof bewachte, klein und kahl,
Das Auge der Löwin im Sternenbild,
Am Boden tanzte ihr Wappenschild.

Eng drängten sich Häuser zum einen Wall,
Am Anderen döste ein leerer Stall,
Kaum sichtbar ist die Treppe zum Boden,
Dort lag seit Sommern die Elisa begraben.

Vernagelt und vergittert, am Turm allein,
Reihten sich offene Fenster im Schein,
Verbrannte Balken markierten das Dach.
“Elisa”, sagte der Alte schwach.

“Dir lege ich an deine Wand
Den Rosenkranz, von meiner Hand”
So wie er es seit der Zeit getan
Als die Muskete seine Liebste nahm

Kaum schaffte er sich aufzurichten,
Da brach ihm sein Herz in einem Stich.
Als Nebel seine Sinne beschlich,
Entzündete sich im Turm
… ein Licht.

Die Türe sang, es kam Elise,
In ihrer Hand trug sie die Lampe.
“Danke, daß du an mich gedacht,
Mein Freund, was kniehst du in kalter Nacht,
Komm in den Turm … dort ist es warm”

Den Alten vermisste keinerlei,
Da fanden ihn Kinder am Wappenschild
Am Fuße des Felsens setzt man ihn bei

Über das Wohl des Alten Mannen
Auch wenn sein hölzern Kreuz gegangen.
Wacht nun der Löwin Sternenbild

( Leonard Siebeneicher )